{"id":5188,"date":"2024-01-08T10:14:32","date_gmt":"2024-01-08T09:14:32","guid":{"rendered":"https:\/\/p684588.webspaceconfig.de\/jati-wp\/jatiproducts.com\/?page_id=5188"},"modified":"2024-03-19T11:03:33","modified_gmt":"2024-03-19T10:03:33","slug":"der-hausschwamm-mythos-und-wahrheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jatiproducts.com\/de\/infothek\/fachartikel\/der-hausschwamm-mythos-und-wahrheit\/","title":{"rendered":"Der Hausschwamm \u2013 Mythos und Wahrheit"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<h1>Der Hausschwamm \u2013 Mythos und Wahrheit<\/h1>\n<p>[\/vc_column_text][vc_row_inner][vc_column_inner][vc_column_text]Ein Beitrag von Dr. Ingo Nuss in &#8222;Der Bausachverst\u00e4ndige&#8220;:<br \/>\n<strong>Ohne Zweifel geh\u00f6rt der Hausschwamm, von der Wissenschaft Serpula lacrymans genannt, zu den faszinierendsten Pilzen. Allein die wissenschaftliche Literatur \u00fcber diesen Organismus w\u00fcrde die Regale einer Hausbibliothek f\u00fcllen. Wegen der von ihm angerichteten Sch\u00e4den besch\u00e4ftigen sich die Menschen schon seit Jahrhunderten mit dem Pilz, und es verwundert darum nicht, dass Geschichten \u00fcber seine erstaunliche F\u00e4higkeiten von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wahr ist, dass w\u00e4hrend des 17. Jahrhunderts ganze Flotten von Kriegsschiffen vom Hausschwamm au\u00dfer Gefecht gesetzt worden waren, bevor sie zum Einsatz hatten kommen k\u00f6nnen<sup>1<\/sup> und dass nach dem Zweiten Weltkrieg mehrgeschossige Wohnh\u00e4user durch sein Zerst\u00f6rungswerk zum Einsturz gebracht wurden<sup>2<\/sup>.<\/strong>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][vc_row_inner][vc_column_inner][vc_column_text]<strong><a style=\"color: #009ade;\" href=\"https:\/\/www.jatiproducts.com\/wp-content\/uploads\/Hausschwamm.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jetzt Artikel hier als PDF herunterladen<\/a><\/strong>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][vc_tta_accordion spacing=&#8220;25&#8243; active_section=&#8220;999&#8243; collapsible_all=&#8220;true&#8220;][vc_tta_section title=&#8220;Teil 1: Vom Bewohner des Waldes zum Nutzer menschlicher Behausungen&#8220; tab_id=&#8220;1709652192515-cda04080-1ba5&#8243;][vc_column_text]Der Hausschwamm hat sich im Laufe seiner Entwicklung von einem Bewohner des Waldes zu einem nahezu ausschlie\u00dflichen Nutzer menschlicher Behausungen gewandelt<sup>3<\/sup>, und man wird ihn deshalb heute fast immer vergeblich in der freien Natur suchen. Seine Anpassungsf\u00e4higkeit an unterschiedliche Lebensbedingungen in unseren Wohnungen und H\u00e4usern ist beeindruckend. So findet man ihn in Form von hauchd\u00fcnnen, spinnwebartigen Myzelien (= Pilzf\u00e4den-Geflechten) bis hin zu mehrere Zentimeter dicken Myzelmatten, welche f\u00fcr W\u00e4rmed\u00e4mm-Material gehalten werden k\u00f6nnten. Daneben formt er bindfadenartige Gebilde, Str\u00e4nge genannt, welche unter Fu\u00dfbodenDielen Entfernungen von einem oder gelegentlich mehreren Metern<sup>4<\/sup> \u00fcberbr\u00fccken und Mauern durchwachsen k\u00f6nnen. In den Str\u00e4ngen werden Wasser und N\u00e4hrstoffe von der Nahrungsquelle bis hin zur Wachstumsfront transportiert<sup>5<\/sup>. Mit ihrer Hilfe kann er auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen alle Hindernisse, welche ihm keine Nahrung bieten, \u00fcberqueren, seien sie Mauerwerk, Metall- oder Kunststofftanks oder auch Glasfl\u00e4chen. Auch in der Ausbildung seiner Fruchtk\u00f6rper ist er \u00e4u\u00dferst anpassungsf\u00e4hig und bildet je nach Gegebenheit flache \u00dcberz\u00fcge, knotige Ausw\u00fcchse oder waagerecht abstehende H\u00fcte. Auf den Fruchtk\u00f6rpern werden die Hymenien (= Fruchtschichten) gebildet, welche die Basidien (= Sporentr\u00e4ger) und auf diesen die Sporen in unvorstellbaren Mengen produzieren. Oft bedecken die von der Luft fortgetragenen Sporen s\u00e4mtliche Oberfl\u00e4chen in einem Geb\u00e4ude, Fu\u00dfb\u00f6den, M\u00f6bel und alle \u00fcbrigen Gegenst\u00e4nde in Form eines feinen br\u00e4unlichen Staubes.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Teil 2: Der Mythos beginnt&#8220; tab_id=&#8220;1709817207397-fe696812-3237&#8243;][vc_column_text]Seine Vielgestaltigkeit und die beschriebenen F\u00e4higkeiten sind es, welche zu Mythen gef\u00fchrt und den Hausschwamm zu einem der am meisten gef\u00fcrchteten Organismen bei betroffenen Haus- und Wohnungseigent\u00fcmern gemacht haben. Einer dieser Mythen ist, dass der Pilz in der Lage w\u00e4re, trockenes Holz zu bewachsen und zu zerst\u00f6ren, ein anderer, dass er von einem befallenen Haus mit Hilfe seiner Sporen oder Myzel-Reste, welche bei den Arbeitern an ihren Fu\u00dfsohlen haften, ein bislang hausschwammfreies Geb\u00e4ude befallen k\u00f6nnte. Was ist dran an diesen Mythen? Ist der Pilz tats\u00e4chlich f\u00e4hig, solche Dinge zu tun? Haben die Holzschutzgutachter und Sanierer recht, wenn sie alle befallenen Holzbalken jeweils 1m \u00fcber den sichtbaren Befallsrand hinaus \u203agesundschneiden\u2039, vom Mauerwerk den Putz 1,5m in alle Richtungen \u00fcber das letzte Myzeloder Strangst\u00fcckchen hinaus abschlagen oder einen mineralischen Fu\u00dfboden aufschlagen und das Erdreich bis in 150cm Tiefe abtragen oder ein schon vom Putz freigelegtes Mauerwerk weit \u00fcber die Befallsgrenzen hinaus, n\u00e4mlich 1,5m, mit Packern versehen und anschlie\u00dfend mit giftigen Chemikalien \u203afluten\u2039? Was f\u00fcr ein gef\u00e4hrliches Wesen muss dieser Hausschwamm sein, dass solche Ma\u00dfnahmen gerechtfertigt w\u00e4ren? Antworten kann nur der Pilz selbst geben. [\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Teil 3: Die Biologie des Hausschwammes&#8220; tab_id=&#8220;1709817374653-c8cd01fa-67be&#8220;][vc_column_text]Nur wer die Biologie des Hausschwammes kennt, wei\u00df auch, was der Pilz kann und \u2013 das ist f\u00fcr die Behandlung von befallenen Geb\u00e4uden wichtiger zu wissen \u2013 was er nicht kann. Verfolgt man die Entwicklung eines Hausschwamm-Individuums von der \u203aGeburt\u2039 bis zum \u203aTod\u2039, dann laufen folgende Vorg\u00e4nge ab: Mehrere Sporen keimen jeweils mit einem Keimschlauch und wachsen zu einem monokaryotischen (= einkernigen) Myzel heran. Bei Kontakt zweier oder auch mehrerer solcher Keim-Myzelien bildet sich ein sog. dikaryotisches (= zweikerniges) oder polykaryotisches (= vielkerniges) Myzel. Die Keimungen der Sporen auf Holz k\u00f6nnen nur erfolgen, wenn die Luft mit Feuchtigkeit nahezu ges\u00e4ttigt ist<sup>6<\/sup> und das Holz mindestens 30% Holzfeuchtigkeit enth\u00e4lt. Sie haben gr\u00f6\u00dfere Erfolgschancen, wenn das Holz zuvor von Schimmelpilzen oder dem Kellerschwamm bewachsen war<sup>7<\/sup> . Das Myzel (= Pilzf\u00e4dengeflecht) kann sich nur entwickeln und weiterwachsen, wenn:<\/p>\n<ol>\n<li>die Feuchtigkeit des Holzes \u00fcber 20 % liegt und<\/li>\n<li>die unmittelbar umgebende relative Luftfeuchtigkeit mehr als 82% betr\u00e4gt<sup>8<\/sup> (optimales Wachstum erfolgt bei 98 % relativer Luftfeuchtigkeit<sup>9<\/sup> ) und<\/li>\n<li>in diesem Bereich so gut wie keine Luftbewegung vorhanden ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das zarte wei\u00dfe Myzel ist n\u00e4mlich extrem empfindlich gegen Luftzug und stirbt nach zehn Minuten ab, wenn es einem Luftzug ausgesetzt wird<sup>10<\/sup>. Auch stellt es bei relativer Luftfeuchtigkeit unter 82% das Wachstum ein. Diese Bedingungen f\u00fcr das Entstehen und die Weiterentwicklung eines Myzels des Hausschwammes gelten immer und \u00fcberall. Wenn sie nicht gegeben sind, h\u00f6rt der Pilz zu wachsen auf oder stirbt l\u00e4ngere Zeit sp\u00e4ter ab. [\/vc_column_text][\/vc_tta_section][\/vc_tta_accordion][vc_row_inner css=&#8220;.vc_custom_1709818627794{margin-top: 50px !important;}&#8220;][vc_column_inner width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text]<img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5275\" src=\"https:\/\/www.jatiproducts.com\/wp-content\/uploads\/jati_fachartikel_der_hausschwamm_mythos_und_wahrheit_1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2540\" height=\"1905\" srcset=\"https:\/\/www.jatiproducts.com\/wp-content\/uploads\/jati_fachartikel_der_hausschwamm_mythos_und_wahrheit_1-scaled.jpg 2540w, https:\/\/www.jatiproducts.com\/wp-content\/uploads\/jati_fachartikel_der_hausschwamm_mythos_und_wahrheit_1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.jatiproducts.com\/wp-content\/uploads\/jati_fachartikel_der_hausschwamm_mythos_und_wahrheit_1-scaled-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.jatiproducts.com\/wp-content\/uploads\/jati_fachartikel_der_hausschwamm_mythos_und_wahrheit_1-1024x768.jpg 1024w, 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tab_id=&#8220;1709818204432-c4276fa6-b347&#8243;][vc_column_text]Viele Sachverst\u00e4ndige, welche schon einmal einen Hausschwammfall bearbeitet haben, werden sich erinnern, dass der gesamte Bereich eines umfangreichen Hausschwammbewuchses in einem Geb\u00e4ude zum Stillstand kam, als die entsprechende Holzverschalung oder die Dielung, hinter welcher der Hausschwamm gewachsen war, entfernt worden war. Derselbe Zustand kann selbst nach einem Jahr oder l\u00e4ngerer Zeit unver\u00e4ndert vorgefunden werden, wenn die Pilze der normalen Luftbewegung ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Bei Vorhandensein der genannten Wachstumsvoraussetzungen entwickelt sich das Myzel kreisf\u00f6rmig in alle Richtungen zu einem gro\u00dfen Myzelteppich von 1m Durchmesser oder auch mehr. Der fortwachsende Rand ist dick und sehr dicht gewachsen, w\u00e4hrend sich r\u00fcckw\u00e4rts bei dem einen Typ von Myzel die einzelnen Hyphen (= Pilzf\u00e4den) zu Str\u00e4ngen zusammenschlie\u00dfen<sup>11<\/sup>, bei dem anderen Typ es zu Verdichtungen, dann Auffaltungen und Verf\u00e4rbungen kommt, weil hier ein Fruchtk\u00f6rper entsteht<sup>12<\/sup>. Ist reichlich Nahrung und ist keinerlei Luftbewegung vorhanden und hat zus\u00e4tzlich die Luftfeuchtigkeit Werte nahe der S\u00e4ttigungsgrenze von 100%, dann luxuriert das Myzel und bildet gro\u00dfe dicke \u203aWatteb\u00fcschel\u2039. Trifft das Myzel hingegen auf Konkurrenz (Schimmelpilze oder holzzerst\u00f6rende Pilze) oder ist anderweitig unter Stress, ver\u00e4ndert es seine Farbe von vorher Wei\u00df zu Gelb<sup>13<\/sup>. Oft besiedelt eine der Kellerschwamm arten \u2013 h\u00e4ufiger der Kleinsporige Kellerschwamm (Coniophora marginata) als der Warzige Kellerschwamm (Coniophora puteana) \u2013 stark durchn\u00e4sstes Holz zuerst, stirbt aber ab, sobald die Holzfeuchtigkeit sinkt. Jetzt siedelt sich der Hausschwamm an und \u00fcberw\u00e4chst den abgestorbenen (oder inaktiven) Kellerschwamm mit seinem Myzel<sup>14<\/sup>.<\/p>\n<p>Der Hausschwamm ist ein sog. \u203aOberfl\u00e4chenpilz\u2039 im Gegensatz beispielsweise zu den \u203aBl\u00e4ttlings-Arten\u2039 (Gloeophyllum spp.), welche als Kernholzpilze das Holz von innen her abbauen. Er \u00fcberw\u00e4chst das Holz zun\u00e4chst immer als hauchzartes Oberfl\u00e4chenmyzel und erst Millimeter hinter dem fortschreitenden Wachstumsrand werden Hyphen in das Substrat (hier: das befallene Holz) gesenkt, welche mit hauchfeinen F\u00e4den \u2013 viel d\u00fcnner als der normale Hyphendurchmesser \u2013 durch die Produktion von Enzymen L\u00f6cher in die T\u00fcpfel oder Holzzellw\u00e4nde bohren und dort mit dem Abbau des Holzes beginnen<sup>14a<\/sup>. Das sichtbare Myzel ist folglich auch die \u00e4u\u00dfere Grenze des Befallsbereiches des Holzes. W\u00e4hrend des Holzabbaus verf\u00e4rbt sich das Holz braun (Braunf\u00e4ule-Typ durch den Abbau haupts\u00e4chlich von Zellulose), wird instabil und bekommt die charakteristischen, senkrecht zueinander verlaufenden L\u00e4ngs- und Querrisse (= \u203aW\u00fcrfelbruch\u2039). Das Oberfl\u00e4chenmyzel kann dem strangbildenden oder dem fruchtk\u00f6rperbildenden Typ angeh\u00f6ren. Hausschwammstr\u00e4nge lassen ihre Entstehung aus dem Zusammenschluss haupts\u00e4chlich schon vorhandener Myzelhyphen hinter der Wachstumszone daran erkennen, dass sie \u00fcber lange Zeit in ein zartes Myzelgeflecht eingebunden sind. Erst wenn das Myzel abstirbt, liegen die Str\u00e4nge mehr oder weniger frei. In ihrem Inneren bestehen ausgewachsene Str\u00e4nge aus einer Vielzahl von weitlumigen Gef\u00e4\u00dfhyphen (= Gef\u00e4\u00dfhyphen mit gro\u00dfen Durchmessern), in denen Wasser und N\u00e4hrstoffe transportiert werden. Diese sind von verschiedenen d\u00fcnn und dickwandigen Hyphen umgeben, und die \u203aRinde\u2039 der Str\u00e4nge besteht ausschlie\u00dflich aus sehr robusten Skeletthyphen, deren W\u00e4nde so dick sind, dass in ihrem Inneren nur ein haarfeiner Raum (Lumen) \u00fcbrig bleibt. Anders als z.B. die Wurzeln h\u00f6herer Pflanzen (z. B. Str\u00e4uchern und B\u00e4ume), mit denen sie verwechselt werden k\u00f6nnten, wachsen die Hausschwamm-Str\u00e4nge nie mit ihren Spitzen weiter, sondern immer und ausschlie\u00dflich durch einzelne Hyphen, welche auswachsen und ein neues Myzel (= Pilzf\u00e4dengeflecht) entstehen lassen. Folglich m\u00fcssen auch zum Auswachsen eines Stranges alle genannten Bedingungen (Holzfeuchtigkeit, relative Luftfeuchtigkeit, stehende Luft) erf\u00fcllt sein, damit dieser Prozess einsetzen kann. Das Strangmyzel ist zwar ein \u00dcberdauerungs\u203aorgan\u2039, welches aufgrund seiner sch\u00fctzenden dichten Ummantelung den Pilz unter bestimmten Voraussetzungen \u00fcber einige Jahre lebend erhalten kann, wenn z. B. die Werte der Luftfeuchtigkeit unter 82 % gesunken sind und die Weiterentwicklung des Pilzes ausschlie\u00dfen, aber zum erneuten Aufleben des Hausschwammes durch das Auswachsen einzelner Hyphen aus dem Strang ist als unabdingbare Voraussetzung erforderlich, dass die umgebende Luft nicht in Bewegung ist und die Luftfeuchtigkeitswerte nahe der S\u00e4ttigung liegen<sup>15<\/sup>.<\/p>\n<p>Neben dem Myzel und den Str\u00e4ngen werden vom Hausschwamm als dritte Erscheinungsform Fruchtk\u00f6rper gebildet. Man findet sie dort, wo wenigstens geringe Mengen an Licht hingelangen<sup>16<\/sup>. Sie k\u00f6nnen auf Holz, Mauerwerk oder sonstigen Materialien wachsen, k\u00f6nnen Ausma\u00dfe von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter oder mehr haben<sup>17<\/sup>, die verschiedensten Formen annehmen und in den unterschiedlichsten Positionen wachsen. Immer geht ihnen die Entwicklung des schon beschriebenen wei\u00dfen, wattigen Myzels voraus, das hinter seinem Wachstumsrand nirgendwo strangartige Aggregationen von Hyphen erkennen l\u00e4sst, wie diese f\u00fcr die Strangbildung typisch sind. Die Fruchtk\u00f6rper werden nie direkt von Str\u00e4ngen gebildet und die Fruchtk\u00f6rper bilden nie direkt Str\u00e4nge<sup>18<\/sup>. Hinter seinem dickwulstigen Wachstumsrand entwickelt sich auf dem Myzelteppich ein verdichteter Bereich, in welchem es zu Auffaltungen von wabenartigen Strukturen kommt, der Fruchtschicht (Hymenium). Die Braunf\u00e4rbung der Fruchtschicht zeigt an, dass es zur Entwicklung von Sporen, den Verbreitungsorganen des Pilzes, gekommen ist. Diese sitzen immer in Vierzahl an sog. Basidien, von denen sie mittels eines noch nicht g\u00e4nzlich erforschten Mechanismuses regelrecht abgeschossen werden, so dass sie in die Luft gelangen und von dieser \u00fcber kleine oder auch sehr gro\u00dfe Entfernungen fortgetragen werden. Die Hausschwamm-Fruchtk\u00f6rper erzeugen unglaublich riesige Mengen von Sporen (5&#215;106 in 10 Minuten auf einem 1m<sup>2<\/sup> gro\u00dfen Fruchtk\u00f6rper<sup>19<\/sup>), die in befallenen Geb\u00e4uden bis auf die Decken alle vorhandenen Oberfl\u00e4chen mit brauner Farbe bedecken. Frisch wachsende Fruchtk\u00f6rper haben einen angenehm pilzlichen Geruch und sind nicht giftig. Ihre Sporen wirken nur in sehr seltenen F\u00e4llen allergen. Die Fruchtk\u00f6rper sind ausgewachsen, wenn sie keinen wei\u00dfen Wachstumsrand mehr haben, denn solange ein solcher vorhanden ist, setzt sich das Wachstum des Fruchtk\u00f6rpers fort<sup>20<\/sup>. Wenn der Fruchtk\u00f6rper durch die Sporenproduktion ersch\u00f6pft ist, stirbt er ab. In relativ trockener Luft trocknet er aus und wird br\u00fcchig, nicht aber, wenn die Feuchtigkeit der Luft hoch ist. Dann bleibt er weich, unterliegt einem Autolyseprozess und wird von Schimmelpilzen befallen, bevorzugt von Scopulariopsis-Arten. Diese sind es, welche einen sehr \u00fcblen Geruch verbreiten. Die Sporen des Pilzes werden durch Wind \u00fcber weite Strecken verbreitet, aber auch durch verschiedene Kleinsttiere wie K\u00e4fer, Asseln, Fliegen, Spinnen, Silberfischchen und Larven von Motten und M\u00fccken<sup>21<\/sup>. Sie sind darum allgegenw\u00e4rtig, in verfallenen H\u00fctten ebenso wie in gepflegten Villen oder auch in Krankenh\u00e4usern.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Teil 5: Mythos und Wirklichkeit&#8220; tab_id=&#8220;1709819164022-21e365f4-e5c8&#8243;][vc_column_text]Ist nun der Mythos wahr, dass der Hausschwamm von einem ausreichend feuchten Holzst\u00fcck aus auf ein St\u00fcck trockenes Holz wachsen, dieses gar selbst befeuchten und dann besiedeln und abbauen kann? Nein, das ist ein Mythos! Weil das Wachstum des Hausschwammes immer und ohne Ausnahme mit der Entstehung und dem Wachstum eines wei\u00dfen watteartigen zarten Myzels beginnt oder weitergeht und dieses nur bei relativer Luftfeuchtigkeit \u00fcber 82% existieren und wachsen kann, ist das \u00dcberwachsen trockenen Holzes grunds\u00e4tzlich nicht m\u00f6glich. Sollten n\u00e4mlich die genannten Luftfeuchtigkeitswerte gegeben sein, dann w\u00e4re ein unter diesen Bedingungen gelagertes Holz nicht mehr trocken, sondern w\u00fcrde automatisch \u00fcber die Holzausgleichsfeuchte Feuchtigkeitswerte von etwa 25 % annehmen<sup>22<\/sup>. Auch das Befeuchten trockenen Holzes durch die am Myzel gebildeten Wassertropfen (Guttationstropfen) ist nicht m\u00f6glich, weil zur Bildung der Guttationstropfen erneut relative Luftfeuchtigkeitswerte nahe der S\u00e4ttigungsgrenze, also \u00fcber 90%, die unabdingbare Voraussetzung sind23 und Holz unter diesen Bedingungen nicht trocken sein kann. In umfangreichen Experimenten ist au\u00dferdem nachgewiesen worden, dass ein Holzhaus, sofern die H\u00f6lzer trocken und luftumsp\u00fclt sind (= konstruktiver Holzschutz), auch dann nicht vom Hausschwamm befallen werden kann, wenn man frische Fruchtk\u00f6rper des Hausschwamms auf das Holz nagelt<sup>24<\/sup>.<\/p>\n<p>Damit ist zugleich nachgewiesen, dass auch der andere Mythos falsch ist, man w\u00fcrde ein zuvor nicht befallenes Haus mit dem Hausschwamm infizieren, wenn man aus einem befallenen Geb\u00e4ude Myzel-, Fruchtk\u00f6rper- oder Strangreste oder auch Sporen mit der Kleidung bzw. mit den Schuhsohlen aus dem Befallsbereich in das Geb\u00e4ude einbringt. Der Befall von Holz in einem Geb\u00e4ude ist andererseits immer m\u00f6glich und sogar wahrscheinlich, wenn das Holz nass geworden ist. Dann ist der Befall unabh\u00e4ngig davon, ob das Holz zuvor schon befallen war oder nicht. Das Wachstum setzt lediglich schneller ein, wenn ein noch nicht v\u00f6llig abgestorbener Befall schon vorher vorhanden war. Erstaunlich ist, dass der Hausschwamm in Deutschland und den Nachbarstaaten trotz der vielen einschr\u00e4nkenden Bedingungen eine so starke Verbreitung hat. H\u00e4ufig sind M\u00e4ngel in der Wartung alter Geb\u00e4ude, aber auch Fehler bei Generalsanierungen die Ursachen f\u00fcr die Entstehung des Pilzes in einer Wohnung oder einem Geb\u00e4ude. [\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Teil 6: DIN kontra wissenschaftlicher Kenntnisstand&#8220; tab_id=&#8220;1709818753089-c1f200ce-8f01&#8243;][vc_column_text]Sobald Holz feucht wird, sind die Voraussetzungen f\u00fcr die Entstehung des Hausschwammes gegeben. Wurde z. B. in einem feuchten Keller Brennholz gelagert oder wurden dort Holzkisten abgestellt oder ein Holzregal direkt und ohne Isolierung auf den nackten Boden gestellt, dann darf man sicher sein, dass sich innerhalb eines halben Jahres der Hausschwamm ausbreitet. Fehlen an einem unbewohnten Haus gr\u00f6\u00dfere Putzbereiche, so dass N\u00e4sse in das Mauerwerk dringen kann, oder wird durch eine Generalsanierung zuvor ins Mauerwerk eingedrungene N\u00e4sse eingeschlossen, wird sich nach wenigen Jahren der Boden in einem oder mehreren R\u00e4umen absenken, weil sich der Hausschwamm in den Balkenk\u00f6pfen und Deckenbalken entwickeln konnte. Auch Undichtigkeiten an Regenabflussrohren in Verbindung mit fehlender oder mangelhafter Horizontal- und Vertikalisolierung k\u00f6nnen zu gro\u00dfen Sch\u00e4den am Bauwerk durch den Hausschwamm f\u00fchren.<\/p>\n<p>Was in solchen F\u00e4llen zu tun ist, kann in der entsprechenden DIN nachgelesen werden. In der DIN (= Deutsche IndustrieNorm) werden von einem DIN-Normausschuss Handlungsanweisungen gegeben, von denen der Normalb\u00fcrger annehmen muss, dass sie dem wissenschaftlichen Kenntnisstand entsprechen w\u00fcrden. Aus diesem Grunde wird sie von den Holzschutz- und fast allen HausschwammSachverst\u00e4ndigen in deren Gutachten zitiert und ist die \u203aBibel\u2039 der Sanierungsfirmen bei allen Hausschwamm-Sanierungen. F\u00fcr die Behandlung von Hausschwammbefall ist die DIN 68800, Teil 4, zust\u00e4ndig. Einige der Handlungsanweisungen entsprechen \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 nicht dem wissenschaftlichen Kenntnisstand \u00fcber die Biologie des Hausschwammes und werden deshalb im Folgenden kritisch kommentiert:<\/p>\n<ol>\n<li>Einerseits verlangt die DIN als Voraussetzung f\u00fcr die Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen die \u00bbeindeutige Feststellung der Art der Schadorganismen und des Befallsumfanges durch daf\u00fcr qualifizierte Fachleute oder Sachverst\u00e4ndige\u00ab (\u00a7 2.3), andererseits wird diese Bestimmung wieder aufgehoben durch den letzten Satz des \u00a74.2.1 \u00bbIm Zweifelsfall ist so zu verfahren, als ob Befall durch den Echten Hausschwamm vorliegt.\u00ab Mit anderen Worten: Wenn ein Sanierer eine umfangreiche HausschwammSanierung f\u00fcr vielleicht 30.000,00\u20ac durchgef\u00fchrt hat, weil er einen harmlosen Pilz oder auch nur Spinnweben f\u00fcr einen Hausschwamm gehalten hat (ein solcher Fall war tats\u00e4chlich geschehen und ist dokumentiert), dann kann er sich auf den \u00a74.2.1 berufen und wird wohl kaum von einem deutschen Gericht auf Schadenersatz verurteilt werden. Als Konsequenz muss dieser Satz aus der DIN gestrichen werden, denn er kann jederzeit von unseri\u00f6sen Sanierungsfirmen dazu missbraucht werden viel Geld f\u00fcr Arbeiten zu kassieren, welche \u00fcberhaupt nicht erforderlich sind.<\/li>\n<li>Andererseits fehlt in der DIN die Anweisung, dass unabdingbar \u00fcberpr\u00fcft werden muss, ob es sich um einen vitalen (lebenden) Befall handelt oder ob der Hausschwamm z. B. in einem Geb\u00e4ude aus dem 17. Jahrhundert schon seit Jahrzehnten abgestorben ist. Mehrfach habe ich F\u00e4lle zu begutachten gehabt, wo von einem \u203aqualifizierten Fachmann\u2039 oder gar Holzschutzsachverst\u00e4ndigen wegen seit langem abgestorbener HausschwammStr\u00e4nge wertvolle denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4udesubstanz zerst\u00f6rt werden sollte.<\/li>\n<li>Nach \u00a7 4.2.1 sind \u00bballe befallenen Holzteile &#8230; ein ausreichendes St\u00fcck \u00fcber den sichtbaren Befall hinaus zu entfernen, &#8230;bei Echtem Hausschwamm und verwandten Hausschwammarten um mindestens 1m in L\u00e4ngsrichtung der H\u00f6lzer.\u00ab Wissenschaftlich bewiesen ist, dass der Hausschwamm erstens ein Oberfl\u00e4chenpilz ist und er zweitens erst hinter der Wachstumszone seines zarten Myzels Hyphen in das Holz hineinwachsen l\u00e4sst. Wo seine \u00e4u\u00dferlich am Holz sichtbare Wachstumsgrenze ist, dort ist auch die tats\u00e4chliche Grenze seines Wachstums. Zus\u00e4tzlich gesundes Holz abzuschneiden, ist folglich nicht gerechtfertigt. Au\u00dferdem sollte es insbesondere im Denkmalschutz nicht entscheidend sein, wo die \u00e4u\u00dferlich sichtbare Grenze des Wachstums ist, sondern wo der Pilz tats\u00e4chlich das Holz schon soweit zersetzt hat, dass es seine Funktion aus statischen Gr\u00fcnden nicht mehr erf\u00fcllen kann. Nur solches Holz ist zu ersetzen. H\u00e4ufig wird n\u00e4mlich ein Befall in relativ fr\u00fchem Stadium erkannt. Dann hat der Pilz zwar gr\u00f6\u00dfere Bereiche des Holzes \u00fcberwachsen, dieses aber bis auf wenige Millimeter des Balkenumfanges noch nicht abgebaut. In solchen F\u00e4llen kann das Holz erhalten bleiben, indem der Pilz entfernt, das Holz getrocknet und gegen Pilzbefall behandelt und durch konstruktive Ma\u00dfnahmen daf\u00fcr gesorgt wird, dass es nicht erneut durchn\u00e4sst werden kann. Solche Vorgehensweise ist mehrfach praktiziert worden, ohne dass es erneut zu Sch\u00e4den gekommen ist. Voraussetzung ist aber, dass der Sachverst\u00e4ndige das Wachstumsverhalten des Hausschwammes genau kennt, dass er die Ursachen des Befalls und den Umfang exakt ermittelt und die befallenen Bereiche durch z. B. Bohrwiderstandsmessungen untersucht. Danach kann er detaillierte Angaben machen, was in welchen Bereichen wie zu tun ist und wird daf\u00fcr die volle Verantwortung \u00fcbernehmen. Nicht selten werden von Sachverst\u00e4ndigen \u00d6ffnungen und Teilentkernungen f\u00fcr Hausschwammuntersuchungen angeordnet, welche nicht erforderlich w\u00e4ren, weil mit nahezu zerst\u00f6rungsfreien Untersuchungsmethoden ermittelt werden kann, ob Befall vorliegt oder nicht. Wenn Deckenbalken unter einer Dielung Holzfeuchtigkeitswerte von 10-15 % aufweisen, dann ist es ausgeschlossen, dass dort aktiver Hausschwammbefall vorliegt. Ebenso k\u00f6nnen Deckenbalkenk\u00f6pfe mittels der Bohrwiderstandsmethode auf Befall untersucht werden, ohne dass wertvolles Parkett zerst\u00f6rt werden muss. Untersuchungen auf Hausschwammbefall mit nahezu zerst\u00f6rungsfreien Methoden durchzuf\u00fchren, wo es m\u00f6glich und wirtschaftlich vern\u00fcnftig ist, sollte den Gutachtern und Sanierern in der DIN dringend empfohlen werden.<\/li>\n<li>Ein schweres Gesch\u00fctz f\u00e4hrt die DIN mit den \u00a7 4.2.2 und 4.3.3 auf: \u00a74.2.2: \u00bbPutz, Fugenm\u00f6rtel, Mauerwerk (auch zweischaliges) und Hohlr\u00e4ume sind sorgf\u00e4ltig auf Pilzdurchwachsungen zu untersuchen. Dabei m\u00fcssen auch angrenzende R\u00e4ume, Geschosse und gegebenenfalls Geb\u00e4ude einbezogen werden. Verdeckt eingebaute Holzbauteile einschlie\u00dflich der Balkenauflagerbereiche sind freizulegen, wenn durch die Einbausituation oder den Zustand angrenzender Bauteile ein Befall zu vermuten ist, auch wenn keine sichtbaren Anzeichen daf\u00fcr erkennbar sind.\u00ab \u00a7 4.3.3: \u00bbIst das Mauerwerk von Myzel durchwachsen, ist grunds\u00e4tzlich eine Bohrlochtr\u00e4nkung oder durch Druckinjektion ein Verpressen mit einem chemischen Schutzmittel nach \u00a7 3.1 zur Bek\u00e4mpfung von Schwamm im Mauerwerk vorzunehmen. Bei Mauerwerk aus Hohlkammersteinen und bei zweischaligem Mauerwerk sind die Hohlr\u00e4ume ausreichend auszuspritzen. Der Sanierungsbereich \u2013 einschlie\u00dflich eventueller Putzentfernung \u2013 soll sich auf 1,5m in alle Richtungen vom letzten erkennbaren Pilzmyzel erstrecken.\u00ab Eine Einschr\u00e4nkung erf\u00e4hrt der letzte Paragraph durch den \u00a7 4.3.4: \u00bbAuf die Durchf\u00fchrung chemischer Ma\u00dfnahmen kann verzichtet werden, wenn im Befallsbereich s\u00e4mtliche H\u00f6lzer entfernt und durch nicht befallbare Baustoffe und\/ oder Bauteile (z.B. Beton, Stahlbeton, Stahl) ersetzt werden, auch anderweitig kein Holz und\/oder Holzwerkstoffe neu eingebaut werden &#8230;\u00ab. Wenn man den zuletzt zitierten Paragraphen logisch durchdenkt, dann m\u00fcsste es doch im Umkehrschluss hei\u00dfen, dass Mauerwerk, aus dem H\u00f6lzer gar nicht entfernt zu werden brauchen, weil keine darin enthalten sind, ebenfalls chemisch nicht behandelt zu werden braucht (vgl. hierzu die Abb. auf S. 6) und wenn es nicht behandelt zu werden braucht, dann nat\u00fcrlich auch keiner Untersuchung mehr bedarf (= \u00a74.2.2). Und das w\u00e4re richtig! Denn ohne jeden Zweifel kann sich ein Hausschwamm weder vom Putz oder Fugenm\u00f6rtel, noch vom Mauerwerk ern\u00e4hren. Sobald er von seiner eigentlichen Ern\u00e4hrungsgrundlage, dem Holz oder Holzwerkstoff, abgetrennt ist, stirbt er nach einiger Zeit ab, ohne noch irgendwo Schaden anrichten zu k\u00f6nnen. Falls ein Mauerwerk von Hausschwamm-Myzel oder -str\u00e4ngen \u00fcber- oder durchwachsen ist und in diesem Mauerwerk, was heutzutage meistens der Fall ist, keine konstruktiven H\u00f6lzer wie z.B. in einem Fachwerkhaus vorhanden sind \u2013 was sich zerst\u00f6rungsfrei mit entsprechenden Ger\u00e4ten ermitteln l\u00e4sst \u2013 dann sind weder weitere Untersuchungen des Mauerwerks, noch eine chemisch bek\u00e4mpfende Behandlung erforderlich, sofern durch entsprechende Isolierungsma\u00dfnahmen verhindert wird, dass vorhandene Myzelien zu Holzmaterialien vordringen k\u00f6nnten. Es ist nicht zu verstehen, warum in dem ersten Paragraphen zun\u00e4chst \u00bbgrunds\u00e4tzlich eine Bohrlochtr\u00e4nkung\u00ab f\u00fcr durchwachsenes Mauerwerk kategorisch gefordert wird, im Folgenden darauf hingegen verzichtet wird. Das erlaubt jedem Sanierungsunternehmen nach Gutd\u00fcnken zu entscheiden, was zu tun sei. Gleiches gilt f\u00fcr den letzten Satz des \u00a74.2.2, wonach blo\u00dfe Vermutungen dem Sanierungsunternehmen die Berechtigung geben, gro\u00dfz\u00fcgige \u00d6ffnungen vorzunehmen. Verdeckt eingebaute Holzteile und auch Balkenauflager k\u00f6nnen mit Hilfe der Bohrwiderstandsmessmethode auf Befall untersucht werden, ohne dass diese jeweils vollkommen freigelegt worden sein m\u00fcssen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Zusammenfassung und Schlussfolgerungen&#8220; tab_id=&#8220;1709819082447-40cddc72-294d&#8220;][vc_column_text]Es wurden aufgrund des wissenschaftlichen Kenntnisstandes das Wachstumsverhalten des Hausschwammes und die Bedingungen detailliert beschrieben, welche zu seiner Entwicklung und zu seinem Wachstum unabdingbar erforderlich sind<sup>27<\/sup>. Hieraus ergeben sich Schlussfolgerungen, welche im krassen Widerspruch zu den Handlungsanweisungen der DIN 68800, Teil 4, stehen, n\u00e4mlich<\/p>\n<ul>\n<li>dass das Abschneiden gesunden Holzes 1 m (oder auch weniger) \u00fcber den sichtbaren Befallsrand hinaus \u00fcberfl\u00fcssig ist [In Einzelf\u00e4llen kann sogar befallenes Holz erhalten bleiben, wenn der Befall relativ frisch ist und noch kein funktionsbeeintr\u00e4chtigender Holzabbau stattgefunden hat, was sich z. B. durch Bohrwiderstandsmessungen untersuchen l\u00e4sst];<\/li>\n<li>dass Mauerwerk, welches keine Konstruktionsh\u00f6lzer enth\u00e4lt, aber mit Myzel und Str\u00e4ngen vom Hausschwamm \u00fcber- und durchwachsen ist, gleichfalls nicht mit Chemikalien behandelt, ja nicht einmal untersucht zu werden braucht, wenn m\u00f6glicherweise vorhandene Kontakte zu Holz oder holzartigen Materialien durch Isolierungen unterbunden werden;<\/li>\n<li>dass mineralische Fu\u00dfb\u00f6den ohne Konstruktionsh\u00f6lzer, welche von Myzel und Str\u00e4ngen vom Hausschwamm durchwachsen sind, nicht in alle (!!!) Richtungen 1,5 m \u00fcber den erkennbar befallenen Bereich hinaus (\u00a7 4.2.1) ausgebaut, ja nicht einmal untersucht zu werden brauchen, wenn m\u00f6glicherweise vorhandene Kontakte zu Holz oder holzartigen Materialien durch Isolierungen unterbunden werden<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][vc_column_text]Wesentlich bei allen HausschwammSanierungen bleibt<\/p>\n<ol>\n<li>als erste und wichtigste Ma\u00dfnahme die Beseitigung der Ursachen des Befalls,<\/li>\n<li>die Trocknung aller durchn\u00e4ssten Bereiche,<\/li>\n<li>der Ersatz von nachweislich aus statischer Sicht zerst\u00f6rten Holzbereichen,<\/li>\n<li>die Isolierung von H\u00f6lzern angrenzend an Befallsbereiche (etwa befallenen W\u00e4nden, Steinfu\u00dfb\u00f6den oder Mauern),<\/li>\n<li>die Schaffung von Luftzirkulation um gef\u00e4hrdete H\u00f6lzer,<\/li>\n<li>der vorbeugende Schutz gegen holzzerst\u00f6rende Pilze und K\u00e4fer mit einem m\u00f6glichst ungiftigen, aber wirksamen Holzschutzmittel, z. B \u201ewood-bliss\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Literatur&#8220; tab_id=&#8220;1709819118157-c27ca49b-077e&#8220;][vc_column_text]Bavendamm, W. &amp; H. Reichelt (1939). \u201aDie Abh\u00e4ngigkeit des Wachstums holzzersetzender Pilze vom Wassergehalt des N\u00e4hrsubstrates\u2018, Archiv f. Mikrobiol., 9, 486-544.<br \/>\nBecker, G. (1951).\u203aKornmotten und Pilzm\u00fccken an holzzerst\u00f6renden Pilzen und in pilzzerst\u00f6rtem Holz in Geb\u00e4uden\u2039, Z.f. hyg. Zool. u. Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpf., 39 (1), 5-14.<br \/>\nBravery, A. F. &amp; C. Grant (1985). \u203aStudies on the Growth of Serpula lacrymans (Schumacher ex Fr.) Gray\u2039, Material u. Organismen, 20 (3), 171-191.<br \/>\nBrown, J., M. M. Fahim &amp; S. A. Hutchinson (1968). \u203aSome effects of atmospheric humidity on the growth of Serpula lacrimans\u2039, Trans. Br. mycol. Soc., 51 (3 and 4), 507\u2212510.<br \/>\nBrownlee, C. &amp; D. H. Jennings (1981). \u203aFurther observations on tear or drop formation by mycelium of Serpula lacrimans\u2039, Trans. Br. mycol. Soc., 77 (1), 33\u221240.<br \/>\nButler, G. M. (1957). \u203aThe Development and Behaviour of Mycelial Strands in Merulius lacrymans (Wulf.) Fr. I. Strand Development during Growth from a Food-base through a Non-nutrient Medium\u2039, Ann. Bot. N.S., 21, 523\u2212537.<br \/>\nCartwright, K. St. G. &amp; W. P. K. Findlay (1934). \u203aStudies in the Physiology of Wood-destroying Fungi. II. Temperature and Rate of Growth\u2039, Ann. Bot., 48, 481\u2212495.<br \/>\nCymorek, S. &amp; B. Hegarty (1986). \u203aA technique for fructification and basidiospore production by Serpula lacrymans (Schum. ex Fr.) S. F. Gray in artificial culture\u2039, International Research Group on Wood Preservation, Document IRG\/WP\/2255, 1\u221213.<br \/>\nFalck, R. (1912). \u203aDie Merulius-F\u00e4ule des Bauholzes\u2039 in Hausschwamm-Forschungen 6 (Ed. A. M\u00f6ller), pp. 1\u2212405, Fischer, Jena.<br \/>\nFindlay, W. P. K. (1937). \u203aDry rot investigation in an experimental house\u2039, For. Prod. Res. Rec., 14, 1\u221214 (16).<br \/>\nHallenberg, N. &amp; J. Eriksson (1985). \u203aThe Lachnocladiaceae and Coniophoraceae of North Europe\u2039, Fungiflora, Oslo.<br \/>\nHartig, R. (1885). Der echte Hausschwamm (Merulius lacrymans Fr.), Springer, Berlin Lohwag, K. (1952). \u201a\u203aDer Hausschwamm Gyrophana lacrymans (Wulf.) Pat. und seine Begleiter\u2039, Sydowia, Ann. Mycol. Ser. II., 6, 268\u2212283.<br \/>\nLohwag, K. (1955). Erkenne und bek\u00e4mpfe den Hausschwamm und seine Begleiter!, Fromme &amp; Co., Wien und M\u00fcnchen.<br \/>\nMez, C. (1908). Der Hausschwamm und die \u00fcbrigen holzzerst\u00f6renden Pilze der menschlichen Wohnungen. Ihre Erkennung, Bedeutung und Bek\u00e4mpfung, Lincke, Dresden.<br \/>\nN\u00fcesch, E. (1919). Die hausbewohnenden Hymenomyceten der Stadt St. Gallen, Fehr\u2018sche Buchhandlung, St. Gallen.<br \/>\nNuss, I., 1980: Untersuchungen zur systematischen Stellung der Gattung Polyporus. Hoppea 39:127\u22125198.<br \/>\nNuss, I., D.H. Jennings &amp; C.J.Veltkamp, 1991: Morphology of Serpula lacrymans. In: D.H. Jennings and A.F.Bravery (ed.): Serpula lacrymans \u2212 Fundamental Biology and Control Strategies. John Wiley &amp; Sons Ltd.Chichester.<br \/>\nRamsbottom, J. (1937). \u203aDry rot in ships\u2039, The Essex Naturalist, 25 (5), 231-267.<br \/>\nWeigl, J. &amp; H. Ziegler (1960). \u203aWasserhaushalt und Stoffleitung bei Merulius lacrymans (Wulf.) Fr.\u2039, Archiv f. Mikrobiol., 37, 124\u2212133.[\/vc_column_text][vc_column_text]<sup>1<\/sup> Ramsbottom, J., 1937:232<br \/>\n<sup>2<\/sup> Lohwag, K., 1952: 270<br \/>\n<sup>3<\/sup> Hallenberg, N. &amp; J. Eriksson, 1985:83<br \/>\n<sup>4<\/sup> N\u00fcesch, E., 1919:166; Metz, 1908: 57<br \/>\n<sup>5<\/sup> Weigl, J. &amp; H. Ziegler, 1960:131<br \/>\n<sup>6<\/sup> Falck, R., 1912: 302<br \/>\n<sup>7<\/sup> Falck, R., 1912: 274 &#8211; 292<br \/>\n<sup>8<\/sup> Brown, J., M. M. Fahim &amp; S. A. Hutchinson, 1968:507; 510<br \/>\n<sup>9<\/sup> Bavendamm, W. &amp; H. Reichelt, 1939:506<br \/>\n<sup>10<\/sup> Hartig, R., 1885:18; Cartwright, K. St. G. &amp; W. P. K. Findlay, 1934: 481<br \/>\n<sup>11<\/sup> Falck, R., 1912: 144 &#8211; 145<br \/>\n<sup>12<\/sup> Falck, R., 1912: 211; Butler, 1957:529<br \/>\n<sup>13<\/sup> Bravery, A. F. &amp; C. Grant, 1985: 186<br \/>\n<sup>14<\/sup> Falck, R., 1912: 312<br \/>\n<sup>14a<\/sup> Nuss, I., D.H. Jennings &amp; C.J. Veltkamp, 1991; 16<br \/>\n<sup>15<\/sup> Brown, J., M. M. Fahim &amp; S. A. Hutchinson, 1968: 507, 510<br \/>\n<sup>16<\/sup> Cymorek, S. &amp; B. Hegarty, 1986: 11<br \/>\n<sup>17<\/sup> Lohwag, K., 1955: 28<br \/>\n<sup>18<\/sup> Falck, R., 1912: 211<br \/>\n<sup>19<\/sup> Falck, R., 1912:221 &#8211; 223<br \/>\n<sup>20<\/sup> Nuss, I., 1980: 157<br \/>\n<sup>21<\/sup> Becker, G., 1951: 6, 8<br \/>\n<sup>22<\/sup> Bavendamm, W. &amp; H. Reichelt, 1939: 494<br \/>\n<sup>23<\/sup> Brownlee, C. &amp; D. H. Jennings, 1981: 37<br \/>\n<sup>24<\/sup> Findlay, W. P. K., 1937: 14[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][\/vc_tta_accordion][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text] Der Hausschwamm \u2013 Mythos und Wahrheit [\/vc_column_text][vc_row_inner][vc_column_inner][vc_column_text]Ein Beitrag von Dr. Ingo Nuss in &#8222;Der Bausachverst\u00e4ndige&#8220;: Ohne Zweifel geh\u00f6rt der Hausschwamm, von der Wissenschaft Serpula lacrymans genannt, zu den faszinierendsten Pilzen. 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